LORO

Dem Künstler Riccardo Previdi ist das ortsspezifische Projekt namens LORO zu verdanken, das sich als Wallpaper auf allen Wänden des Apartments zeigt.

Ein Heer aus Maneki-neko, den glücksbringenden Katzen der japanischen Tradition, füllt kaskadenweise den Raum und umringt den Besucher. Die Enthüllung erfolgt allmählich und spielt mit der unvermeidbaren Wahrnehmung, was desorientierend aber gleichzeitig einladend wirkt. Im Eingang zur Wohnung ist herrschen schwarz-weiße Wände vor, mit großen Flecken, die vom Boden ausgehen und erst nach dem Übergang zum Hauptraum die imposanten Formen riesiger Maneki-nekos enthüllen. In der Mansarde vermehren sich die Katzen ohne Unterbrechung und bewegen sich in Batterien vorwärts, um sich in das Ambiente zu integrieren.

Die Winke- oder Willkommenskatzen stammen aus der japanischen Tradition, wurden aber auch von der zeitgenössischen chinesischen Kultur übernommen. Sie stehen hier für zwei Seiten derselben Medaille: auf der einen die Diaspora, wenn die Wäscherei, der Tabaksladen oder die Gaststätte in der Nähe ihre Tätigkeit beibehalten aber die Inhaber wechseln, und auf der anderen das unleugbare Heranwachsen einer neuen Supermacht. Riccardo Previdi bedient sich solcher Zeichen aus dem Bestand der zeitgenössischen urbanen Landschaft, um sie zu entkontextualisieren und zu Totems zu erheben. LORO berührt offene, sensible Punkte und fordert auf, die Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.


RICCARDO PREVIDI

Riccardo Previdi hat Architektur und visuelle Kunst studiert. Diese zweigleisige Ausbildung hat ihn dazu gebracht, sich mit der Beziehung zwischen Kunst und Projekt zu beschäftigen.

Er hat auf der 1. Biennale in Moskau, der Manifesta 7 und der 1. Triennale von Turin ausgestellt, sowie in der Fondazione Sandretto Re Rebaudengo, im MARTA von Herford, im De Vleeshal von Middelburg und im Italienischen Kulturinstitut in New York, in der Villa Croce in Genua und im Museion von Bozen, um nur einige Beispiele zu nennen. Der Künstler hat zudem mit verschiedenen Galerien in Italien und im Ausland zusammengearbeitet. Derzeit ist er in der Galerie Francesca Minini in Mailand vertreten. Nachdem er fünfzehn Jahre in Berlin verbracht hat, lebt er heute in Meran, in Südtirol, und unterrichtet zeitgenössische Kunst an der Fakultät für Design und Künste der Freien Universität Bozen.

Vor kurzem hat er in Zusammenarbeit mit dem Mailänder Architekturbüro pconp das Concept der britischen Modekette FLANNELS erstellt. Das erste Geschäft, das sich mit dem neuen Image schmückt, hat vor ein paar Wochen in der Oxford Street in London eröffnet. Eine Hauptthematik in der Kunst Riccardo Previdis ist schon immer die Frage nach den Grenzen des technisch-wissenschaftlichen Denkens, und er enthüllt oft die komplexen Mechanismen, die sich hinter den eigentlich für uns alltäglichen Gegenständen und Bildern verbergen.

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